Auf der Seite deines Kindes – bedingungslos

Wir waren über Silvester wandern und frühstückten gerade im Hotel, als am Nachbartisch ein Drama seinen Anfang nahm.
Ein kleines Mädchen wollte sein Ei nicht essen. Seinem Vater missfiel das, und er tadelte das Kind laut – mit Blick auf mich, der sagte: „Schau, so gut habe ich mein Kind im Griff.“

Hast du das auch schon erlebt?
Oder selbst gemacht?

Ich werfe keinen Stein.
Ich weiß, dass es mir auch schon passiert ist: Oberflächlich meinem Kind (meinem Mann, meiner Freundin) etwas zu sagen und es in Wirklichkeit dem wildfremden Beobachter neben mir mitzuteilen. Vermutlich ist niemand ganz frei davon.
Es ist auch gar nicht schlimm.
Blöd wird es nur, wenn das Gesagte das Kind niedermacht, um dem Beobachter, fremd oder vertraut, unbewusst näherzukommen.
Oder um ihn mit der eigenen Kompetenz zu beeindrucken.

Gerade zu Weihnachten und zum Jahreswechsel knallt es in Familien oft deswegen, weil die Eltern des kleinen Kindes selbst plötzlich wieder Kinder sind und sich wünschen, vor ihren Eltern – den Großeltern ihres Kindes – gut dazustehen und dadurch die gesamte gewohnte Familiendynamik des kleinen Menschen durcheinander kommt.

In meinem Büchlein „Celebrate Geborgenheit“ nenne ich das einen Intensivkurs im Erwachsenwerden. Jede einzelne derartige Situation kann uns als Eltern die Chance geben, uns zu entscheiden, uns innerlich aufzurichten und GROSS zu sein. Und uns auf die Seite unseres Kindes zu stellen. Unser Kind gegebenenfalls zu schützen. Bedingungslos. Eine Fünfjährige muss noch nicht mit Messer und Gabel essen können. Ein Achtjähriger muss nicht Smalltalk mit der Großtante machen, die er kaum kennt.

Auf, Löweneltern!
Seid mutig.
Seid erwachsen.
Steht auf der Seite eures Kindes.

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