Der Lech ist ein langer, grüner Fluss

München -> Augsburg

Genaugenommen ist der Lech ein langer, türkisfarbener Fluss, und er ist wunderschön.

Am 26.4. bin ich morgens durch München gefahren. Google Maps wollte mir etwas Gutes tun und hat mich auf dem Weg zum Hauptbahnhof direkt durch die Innenstadt geleitet. Ich habe jetzt den Viktualienmarkt zumindest mal gesehen – inklusive der Menschenmassen, die sich dort tummeln.

In Augsburg dagegen war es sehr entspannt. Ich hatte ein Ticket zum Hauptbahnhof und stellte auf einmal fest, dass ich vorher aussteigen kann, nur einen Kilometer von meiner Unterkunft für die nächsten beiden Nächte entfernt.

Sandra und ihre Familie empfingen mich in ihrem schönen Haus, und das Bett, das ich beziehen durfte, war dasselbe Bett, das wir zu Hause als Gästebett haben. (Ikea rules!)

Wir hatten wir dem Vortrag noch Zeit zum Plaudern und sind dann zum Bürgertreff hinübergegangen, wo die Veranstaltung war.

Das ist eins der Dinge, die ich bei dieser Reise jedes Mal wieder spannend – und teilweise sehr aufregend finde: Ich weiß nie, was kommt. Ich weiß nicht, wie der Raum aussieht, wie das Publikum sein wird, wer kommt, wie viele kommen. Selbst, wenn ich einen Vortrag schon zehn Mal gehalten habe, ist er dann doch jedes Mal wieder anders, je nach Publikum, je nach Interessen, je nach Situation.

Normalerweise sind im Publikum Mütter und ein paar mitgebrachte Väter, alle im Alter zwischen 25 und 35. In Hochzoll war es anders. Der 13jährige Nachbar von Sandra war als jüngster Zuhörer mit, und die älteste Dame war bestimmt um die 70. Es war großartig. Alle (bis auf die eine Person im Publikum, die jedes Mal dabei ist, und die man als Vortragende/r einfach nicht »kriegt«) waren hochinteressiert und blieben zum Teil noch eine Stunde nach dem Vortrag zum Austauschen, Fragen, Diskutieren.

Und ich habe einen unglaublich liebevoll zusammengestellten Präsentkorb bekommen, mit Müsliriegeln und Saft und sogar einem Gutschein für einen Fahrradladen.

Den Samstag konnte ich nutzen, um Augsburg kennenzulernen. Vor allem den Lech.

Abends die zweite Augsburger Lesung, in kleiner, gemütlicher Runde als Wohnzimmerlesung.

Jetzt ist Sonntag.
Ich sitze in Hochzoll auf dem – wer hätte es gedacht? – Bahnhof, um nach Kempten zu fahren.
In Kempten mache ich einen Tag Pause. Zeit für die Buchhaltung und hoffentlich tatsächlich einen Saunagang zwischendurch.

Heute Morgen traf ich am Lechufer eine Frau und ihre ca. zwölfjährige Tochter, die dort fotografierte (die Tochter). Die Frau war schwer beeindruckt davon, dass ich allein mit dem Rad unterwegs bin. Ich gestehe ja, dass ich diese Tatsache irgendwie gar nicht besonders aufregend finde. Aufregend finde ich viel mehr, dass ich ständig Termine habe und eigentlich mehr mit dem Zug als mit dem Rad fahre. Aber das wird nächste Woche hoffentlich anders. Faszinierenderweise sagt mein Tracker trotz der ständigen Zugfahrten, dass ich seit Anfang der Reise gut 300km gefahren bin. Wie auch immer das zustande gekommen ist. (Die gefahrenen Höhenmeter schaue ich mir erst am Ende an.)
Und nächstes Mal lese ich weniger und suche mir Strecken an Flüssen entlang. Zum Beispiel am Lech. Denn der ist wirklich ein schöner, türkisfarbener Fluss.

PS: Der Rechner hat sich seither kein einziges Mal unaufgefordert ausgeschaltet. Kein einziges Mal.

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