Die Saat ist aufgegangen

(c) J.D. Bell, mylifeinthedirt.com

(c) J.D. Bell, mylifeinthedirt.com, mit freundlicher Genehmigung

Samenkorn in die Erde und warten.
Vielleicht keimt es und wächst, und wird zu einer prächtigen großen Sonnenblume.
Vielleicht wird es von Würmern gefressen, bevor es keimen kann.
Vielleicht wächst es mühsam und im Schatten und bringt dort durch seine Blüte Freude.
In dem Moment, in dem man sät, weiß man nicht genau, was geschehen wird.

Ich habe vor 12 Jahren einen Samen in die Erde gesteckt.
Ich hatte ihn überreicht bekommen von Frauen und Männern, die die Saat vor mir gepflegt und gepflanzt haben: Jean Liedloff, Sheila Kitzinger, Jesper Juul, Michel Odent, Laurie Boucke… Und natürlich auch von unendlich vielen weisen Menschen, die nicht im Rampenlicht stehen, empathischen, liebevollen Eltern und Fachleuten wie Hebammen, die seit Jahren still und stetig Eltern unterstützen.
Ich hatte keine Ahnung, was aus meinem Samenkorn werden würde.

Der Same, von dem ich spreche, war „Geborgene Babys“.
Natürlich war ich nicht die einzige, die gesät hat. Viele, viele haben es mit mir getan.
Wir haben die Rabeneltern gegründet.
Sabine und Sören haben den Tologo-Verlag gegründet.
Ein paar Jahre später hat Nicola das Windelfrei-Blog angefangen.
Und noch wieder ein Jahr später ist Herberts Kinder verstehen herausgekommen.
Die „Eltern“ hat sich zu einer Zeitschrift gemausert, in der kluge Artikel über „Attachment Parenting“ und alles, was damit zusammen hängt, an der Tagesordnung sind – nicht zuletzt durch die unermüdliche Arbeit der lieben Nora.
Die Saat wuchs und wuchs und wuchs.

Heute, 12 Jahre später, sehe ich mich um, und ich sehe eine reich blühende, duftende, farbenfrohe Wiese.
Wisst Ihr, wie glücklich mich das macht?

Kein Tag vergeht, an dem ich nicht auf Facebook einen Satz lese, den ich in ähnlicher Form mal irgendwo gesagt oder geschrieben habe.
(Das heißt jetzt nicht: „Hey, Ihr habt geklaut!“, das heißt vielmehr: „Yeah! Das, was ich seit 12 Jahren sage, wird Allgemeingut!“ Ich habe ja vieles auch nicht zum ersten Mal gesagt, sondern von klugen Menschen übernommen, um meine Saat damit zu düngen.)
Große, erfolgreiche Blogs wie Anjas Von guten Eltern oder Susannes Geborgen wachsen und viele andere sind entstanden.
Nicola und ich haben mit dem Artgerecht-Projekt inzwischen weit über hundert Menschen ausgebildet, die Eltern zur Seite stehen.
Familien machen sich auf den Weg, Neues zu entdecken, zu spüren, was ihnen und der Welt gut tut.
Wo immer ich hinsehe, ich sehe die Frucht meiner – unserer – Arbeit, und es macht mich unglaublich glücklich und stolz. (Ich werde gerade ganz rührselig.)

Kürzlich sprach ich mit einer Journalistenkollegin.
Sie fragte: „Oh, das ist ja interessant, dass Sie einen Verlag hatten. Was für Bücher haben Sie denn verlegt?“
Ich, drucksig: „Alternative Elternsachbücher.“
Sie: „In welcher Hinsicht alternativ?“
Ich: „Och… so… Stillen, Tragen, Windelfrei, Familienbett…“
Sie: „Achso, Sie meinen das, was früher alternativ war und heute Mainstream ist.“

TSCHAKKA!!!

Die Saat ist aufgegangen.

Ich kann mich jetzt zurücklehnen, mit dem Hund auf den Deich gehen und Romane schreiben.
Ich weiß, dass meine zarte Pflanze und alle Saat, die sie noch tragen wird, bei euch in guten Händen ist.

DANKE.

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