Die Theorie und die Praxis

Wildworldtour: Kappel-Grafenhausen -> Strasbourg

Die Theorie: Ich fahre die Strecke, die ich mir bei Google Maps rausgesucht habe. 40km, keine Steigung, ziemlich geradeaus.

Die Praxis: Ich fahre die Strecke, die ich mir bei Google Maps rausgesucht habe. Bis sie an einer Brücke endet, die keinen Radweg hat, und über die ein Auto hinter dem anderen donnert. Ich diskutiere mit Google Maps. Wir einigen uns auf einen anderen Weg, der an einem Kieswerk vorbeigeht und dann in einem Wald nach links oder rechts.
Google Maps will geradeaus.
Ich fahre nach rechts, denn da ist ein Wegweiser nach Kehl. Kehl ist gut.
„Ach, Mensch“, anwortet Google Maps, „warum sagst du das nicht gleich? Schau, dann könnten wir hierlang und dort …“
Wir enden an einer Kreuzung. Links geht es zurück nach Breisach, ein Rechts gibt es nicht, und geradeaus – wo Google Maps lang will – ist wieder selbiges Kieswerk, nur von der anderen Seite.
„Bring mich einfach nach Kehl, okay?“, sag ich.
„Mach ich, sobald ich Empfang habe“, antwortet Google Maps.
Ich schalte es aus.
Die Sonne kommt von hinten, also stimmt die Richtung, und irgendwann finde ich auch einen Wegweiser nach Kehl. Nur noch 26km. Na, dann.

Sonne, übrigens. Dem aufmerksamen Leser wird dieses Wort nicht entgangen sein. SONNE. 45km heute (umbeirum), und davon nur 10 Minuten Regen! Tschakka! Die kleinen Freuden.
Die ersten 30km hatte ich sogar Rückenwind.
Dann habe ich Pause gemacht, und in den paar Minuten hat der Wind gedreht, der Schlingel.

Die Theorie, Teil II:
Ich komme in Strasbourg an, bringe mein Geraffel ins Hotel und fahre mir die Stadt angucken. Da ich Viertel vor drei da bin, sollte das kein Problem sein. In all den kleinen Hotels, in denen ich die letzten Tage so war, konnte ich schon zwischen eins und zwei sogar aufs Zimmer.

Die Praxis, Teil II:
Ich komme in Strasbourg an, und das Hotel ist zu. Also, zu wie zu. Tür geht nicht auf.
Ein Blick auf die Website sagt mir, dass der Check-in zwischen 17.00h und 19.00h ist. Echt jetzt? In einem großen Hotel in einer großen Stadt?! Das hab ich bei all meinen Reisen noch nie erlebt, aber man lernt ja nie aus.
Ich ruhe mich also einen Moment aus und lese – in der SONNE – und überlege dann, vielleicht noch eben das Rad wieder zu beladen und nach Kehl zu fahren, um meine Bahnfahrkarte für Sonntag zu organisieren.
Dann ruhe ich mich noch einen weiteren Moment aus und lese und überlege noch mal, ob es sich nicht lohnen würde, eben kurz nach Kehl …
Und dann esse ich eine Banane und trinke ein Schlückchen und denke darüber nach, ob es sich nicht doch vielleicht noch lohnen würde …
Und dann ist es zehn vor fünf, und es lohnt sich nicht mehr.

Mein Zimmer ist toll, das Hotel hat eine großartige Fahrradgarage und einen Pool, der Typ an der Rezeption ist superfreundlich. Strasbourg ist gut. Morgen guck ich mir das Münster an, und was es hier sonst noch so zu sehen gibt.

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