Krimi im Garten

Wir haben neue Nachbarn. Die sind toll.
Viel interessanter für Hund und Hasen sind aber die neuen Nachbarkatzen.
Sie heißen beide nicht Feuerstern, aber wir nennen sie beide so, weil wir sie nicht unterscheiden können. (Ich vermute, sie sind in Wirklichkeit ebenso lächerlich einfach zu unterscheiden wie unsere Kaninchen, aber im Moment hören sie genauso gut auf „Feuerstern“ wie auf ihre echten Namen oder auf diese Zwitscherlaute, die ich immer nicht so richtig kann.)

Lange Rede, kurzer Sinn: Der mutigere von den Katern zeigt großes Interesse an den Kaninchen.
Er beobachtet sie, stundenlang manchmal.
Dann sitzt er auf einem Zaunpfosten und schaut nach unten.
Jeder Muskel ist angespannt. Die Schwanzspitze zuckt, sonst merkt man keine Regung.

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Und der Hund beobachtet den Kater.
Ab und zu kommt er dann aufgeregt zu mir gelaufen und wedelt mit dem Schwanz und sagt: „Hast du das gesehen? Da ist eine Katze! Ungeheuerlich!“
Ich antworte meist: „Ich hab’s gesehen, Süße! Da ist eine Katze! Ungeheuerlich!“

Das geht seit Tagen so.

Gestern geschah dann das, wovor wir alle tagelang Angst gehabt haben. Der Kater sprang zu den Kaninchen ins Gehege. „Gleich gibt’s ein Blutbad“, dachte ich. Und dann dachte ich weiter: „Die Kaninchen haben sich bestimmt schon oft mit Katzen geprügelt, wenn ich nicht dabei war. Und dann kamen sie immer wohlgemut nach Hause.“
Also habe ich versucht, mich zu entspannen und das Ganze einfach nur zu beobachten.
So spannend war das!

Der Kater hat nicht damit gerechnet, dass das Kampfkaninchen sind.
Ist ja nicht so, dass sie nicht katzenerprobt wären. Flocke, unsere Kaninchendame, hat den Kater ordentlich verhauen, so dass er auf die Treppe zum Stall geflüchtet ist.

Am Ende saß die Katze im Kaninchenstall und traute sich nicht raus, weil der Hund davor lag und  sich schlafend stellte und nur ab und zu durch das leichte Heben einer Augenbraue kundtat, dass er alles im Blick hatte.
Die Kaninchen taten derweil das, was Kaninchen so tun, wenn sie sorglos sind und die Abendsonne sich kurz herauswagt.
Sie machten Sil-flay und kauten Kügelchen und hopsten gemächlich mal hierhin und mal dorthin, während sie taten, als gäbe es gar keine Katze in ihrem Gehege.

Die Moral von der Geschicht?
Kaninchen tun das Gleiche wie Menschen.
Die tun einfach so, als wäre gar keine Katze im Gehege… Naja, oder so. Oder vielleicht ist die Moral auch, dass man Katzen und Kaninchen ebenso wie Kindern bloß zutrauen muss, dass sie Konflikte selbst regeln? Oder Kindern ebenso wie Kaninchen? Dass man als Mutter nicht alles mitbekommen muss, Hauptsache, das Kind kommt glücklich und verdreckt nach Hause?
Keine Ahnung.
Mir ist einfach gerade sehr danach, was zu schreiben, das nichts mit Psychologie oder Pädagogik oder all diesen anderen sehr wichtigen und ernsten Dingen zu tun hat.
Hält vielleicht an, die Phase.
Vielleicht erzähle ich euch demnächst von dem verfressenen Hund des Mannes, neben dem ich im hundert Jahre verspäteten Zug saß, als ich Samstag Abend vom artgerecht-Coach-Kurs nach Hause fuhr. Oder von dem Tag, als ich Jürgen Trittin im Flugzeug traf. Oder von meinen türkisgrünen Fingernägeln.
Da müsst Ihr jetzt durch.

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