Lesetipp für Teenager: Himmelsfern

himmelsfern_kleinSerie: Literatur- und Medienempfehlungen für Kinder,
Folge 4

Auch hier: Aus der Reihe „Bücher, die ich liebe“

Ich steh auf Jugendbücher. Einmal noch 16 sein ohne jemals wieder 16 sein zu müssen.
Es gibt, glaub ich, Jugendbücher, die für Leute wie mich geschrieben sind und nicht für echte Jugendliche. Himmelsfern gehört nicht dazu. Himmelsfern ist so echt, wie ein Buch nur sein kann. Finde ich.
Ich kenne kein Mädchen zwischen 14 und 25, dem ich das nicht gern schenken würde, in der Gewissheit, dass sie es lieben würde wie ich. (Den meisten Jungs, die ich kenne, würde ich es allerdings eher so überhaupt gar nicht schenken…)

Worum geht’s?
Einfach nur um die Liebe.
Aber, wie das bei Jennifer Benkau so ist, eben dann doch nicht nur darum.
Noa verliebt sich, und es ist vornherein klar, dass dieser Liebe nur zwei Wochen Zeit bleiben.
Es werden zwei Wochen, die Noas Leben für immer verändern.
Das Buch beginnt damit, dass Noa beim Einsteigen in die U-Bahn eine Stimme hört, die sie vor dieser Fahrt warnt, und natürlich passiert ein Unglück. Noa wird gerettet – von einem Engel?
Und immer wieder taucht Marlon in ihrer Nähe auf, dieser verloren aussehende Junge, der ihr Rätsel aufgibt und ihr Innerstes auf seltsame Weise berührt.
Noa braucht eine Weile, um zu verstehen, wer und was er ist – und dass sie allein durch seine Nähe in tödliche Gefahr gerät.
Noa, ihre Freunde, ihr Vater, ihre Oma: alle sind sie für mich glaubhaft. Vor allem den Vater mag ich sehr, und die Szene, wo die Oma sagt, dass sie… Aber das wär ein Spoiler.

Das einzige, das ich Noa nicht abnehme, ist die Aufregung, was das Feuer angeht. Sie tanzt mit Feuer-Pois (was wunderschön ist) und Lampenfieber würde ich ihr sofort abnehmen. Aber dass das Feuer  an sich noch unheimlich ist? Bei uns gibt’s seit Jahren Pois und Feuerstangen, und ich finde es nur dann gefährlich und einen „Tanz mit dem Feuer“, wenn ich es selbst versuche und mir schon dann wehtue, wenn die Dinger nicht mal angezündet sind. Wenn das Kind es tut, sieht es einfach nur lässig und schön aus. Aber das ist Kleinkram, der dem Ganzen keinen Abbruch tut und den vermutlich kaum einer merkt. Auf jeden Fall ist das Feuer ein schönes Bild.

Himmelfern ist kein Buch mit einer Botschaft, es ist einfach ein Buch, das gut unterhält und mitreißt. Vielleicht, weil wir alle schon da waren, dass eine Entscheidung alles verändert hat – und wir sie dennoch nicht anders fällen würden. Oder würden wir doch?
Ich hab gelacht, ich hab gelitten, ich hab mit Noa am Strand gewartet, und am Ende hab ich Rotz und Wasser geheult und bin aufgetaucht wie aus einem Rausch. Danke dafür!

Jennifer Benkau scheut sich keine Sekunde, das *eigentlich* abgegriffene Klischee vom rätselhaften düsteren Fremden zu bemühen, aber sie tut das so berückend und voller Zauber, dass ich dafür sehr gern fünf von fünf Sternen vergebe. Weil es bei ihr irgendwie so gar nicht abgegriffen ist.

Infos in Kürze:

Himmelsfern
Script 5
Buch € 18,95
Alter: ich finde, ab 13 oder 14, der Verlag findet, ca. ab 16 (wahrscheinlich, weil es auch körperlich zur Sache geht)

Kommentare sind geschlossen.