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Wildworldtour, Wien -> Haching -> München -> Augsburg

Es ist offiziell soweit. Mein Kopf kann all die Termine und Eventualitäten nicht mehr fassen. Ich starre auf leere Seiten, und ich bringe keinen einzigen geraden Satz raus, weil da so viel und gleichzeitig gar nichts mehr ist.

Dabei war das hier alles mal zur Entspannung gedacht.

Vorgestern Wien – Haching. Mit dem Zug.
Immerhin 20km in Wien zum Bahnhof gefahren und 17km von München nach Haching, davon 5km durch den wunderschönen Perlacher Forst, mit Gegenwind. Ich ertappte mich bei dem Gedanken, wie ich glückliche radelnde oder spazierende Menschen bedachte mit Gedanken wie: „Na ja, DIE sind ja auch zum Vergnügen unterwegs.“

Gestern Haching – München. Mit dem Zug dieses Mal.
Weil ich keine Lust hatte auf glückliche, durch den Perlacher Forst radelnde Menschen um mich herum. Und ich hatte um 12:30h einen Termin und wollte nicht hetzen, denn vorher wollte ich mein Zeug ins Hotel bringen. Was nicht ganz komplikationsfrei war, doch das ist nichts für die Öffentlichkeit.
Es sei kurz gesagt, dass ich bereits um 11:30h so weit war, meine Koffer bzw Fahrradtaschen zu packen und einfach mit dem nächsten Zug (jawohl!) wieder nach Hause zu fahren auf mein Dorf.
Ich wollte eigentlich nur noch heulen.
Aber ich hatte um 12:30h den ersten Verlagstermin, auf den ich mich seit Tagen freute, und der auch sehr, sehr gut lief. Die 8km vom Hotel dorthin brachten mich dazu, München immerhin ein bisschen zu mögen.
14:45h Termin mit meiner Agentin. Oh doch, ich mag München.
Beide Termine waren, wie gesagt, überaus konstruktiv und vergnüglich. Trotzdem war ich hinterher pausenbedürftig.
Wie gut, dass ich dann 8km zurückfahren musste auf die andere Seite der Innenstadt, wo Randomhouse in einem – die Architektin in mir jubilierte – wirklich lässigen Bürogebäude logiert.

Ich war schon um 16:30h bei Randomhouse (zweiter Verlagstermin) dort, und ließ mich in der Lobby in das wunderbar weiche, einladende Sofa sinken. Und war so unsagbar glücklich über meine halbe Stunde Auszeit.
16:35h (scheint meine markante Zeit zu sein) kam eine wirklich sehr nette Verlagsmitarbeiterin in die Lobby und fragte, ob sie mich schon hoch in den Verlag bringen könne.
„Nur, wenn Sie da auch ein Sofa haben“, habe ich gesagt. „Ich brauche gerade dieses Sofa.“
„Ja, wir haben auch ein Sofa, ein sehr schönes, rotes, sogar.“
Ob rotes oder beigefarbenes Sofa, dachte ich, und folgte ihr. Im Verlag wurde ich der – ebenfalls sehr netten – Programmleiterin vorgestellt, die mich zum Wässerchen einlud, und dann sprachen wir angeregt eine halbe Stunde über den Buchmarkt und Bücher und das Wetter und München.
Nicht auf dem roten Sofa.
Um fünf kam Sonia, meine Lektorin und nahm mich mit ins Studio der Litlounge, wo die Visagistin schon auf uns wartete.
Oh Gott, Pause.
Endlich Pause.
Ich durfte da sitzen und die Augen zumachen und nichts sagen, während an mir herumgetupft und gezupft und gewischt wurde. Ein Hauch von Schwämmchen hier, ein Pinselstrich dort. Ich liebe das. Es gibt kaum was Entspannenderes.
Na ja, und dann halt Verkabeln, Soundcheck, Sprechgymnastik und so für das Webinar.
Ich werde es mir nicht angucken, ich gucke oder höre mir irgendwelche Aufzeichnungen von mir nie an. Aber Ihr dürft, wenn Ihr wollt.
https://www.litlounge.tv/online-event/wie-wird-das-erst-der-pubertaet (Ich hatte auch mal einen Link dazu, der das Video hier direkt eingebettet hätte. Sobald ich ihn wiederfinde, werde ich das ändern.)

Danach sind Sonia und ich noch was trinken gegangen, und dann habe ich zu Hause angerufen und war zu müde, nur noch einen geraden Satz zu sagen.
Bis zu dem Augenblick, als mein Kopf das Kopfkissen berührte.
Natürlich.

Heute Morgen dann Zug (!) nach Augsburg.
Es ist kalt, windig, verregnet.
Fahrrad zur Werkstatt bringen, bei Sandra, der Organisatorin des heutigen Abends, das wunderschöne Gästezimmer beziehen – und dann konnte ich endlich schlafen. Ne Stunde.

Um 19:00h geht’s weiter. „Grenzen liebevoll und authentisch setzen“ in Augsburg Hochzoll.
Vielleicht sollte ich mal zwischendurch liebevoll und authentisch meine eigene Grenze erkennen.
Es ist nicht so, dass die Vorträge keinen Spaß machen würden, ich mach die echt gern. Aber … Ich glaube, ich sagte es schon: Radfahren und lesen ist nicht … na ja, mal eben radfahren und lesen. Radfahren und lesen ist ein knallharter Businesstrip.
Ich denke, ich fahr das nächste Mal an die Ostsee.
Oder so.

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