Stand-up-Paddling

Hat jemand von euch schonmal Stand-up-paddling ausprobiert? Ganz großer Spaß! Es sieht so leicht aus, aber es ist ungeheuer wackelig, zumindest wenn man es auf dem Ozean macht und nicht irgendwo auf einem See.

Beim ersten Mal braucht man schon eine gehörige Portion Gelassenheit, Balance und Durchhaltevermögen, um sich auf dem Board zu halten.

Vor einiger Zeit war ich mit meiner Familie Stand-up-paddling. Ich hatte im Vorfeld ganz schreckliche Angst, dass ich gar nicht erst würde aufstehen können (dank eines klugen Youtube-Mannes, der mir das vorher gut erklärt hat, ging das aber ganz prima).
Und dann fuhren wir raus aufs Meer, mein Mann, mein Sohn und ich. „Das macht Spaß!“, rief mein Sohn. „Wenn du schneller fährst, geht es leichter!“, riet mein Mann. Ich überlegte derweil, ob ich weinen oder hysterisch kichern sollte, weil alles so furchtbar wackelig war.

Von der Seite kamen zackige kleine Wellen von einem Motorboot, von vorn sehr große, lange, hohe Wellen, und von schräg hinten etwas kleinere große Wellen, die vom Ufer zurückrollten. Ich fand, dass das eine ganze Menge Wellen waren. Und ich weiß, dass sie hoch waren, weil ich nicht drüber weg gucken konnte. Ich fing an, langsam aber sicher zu versteinern. Es gab keine reale Gefahr, die Haie kommen erst nach Sonnenuntergang, und außerdem interessierten die sich vermutlich nicht für mich, aber so ist das ja manchmal im Leben. Man kann auch mit eingebildeten Gefahren panisch werden.

Aber plötzlich änderte sich alles. Ich sah mein entspannt vor sich hin paddelndes Kind, voller Vertrauen auf seine Fähigkeiten. Ich dachte daran, was der Youtube-Mann gesagt hatte: Auf den Horizont zu gucken, macht es leichter. Ich guckte auf den Horizont. Ich hörte auf, mich zu verkrampfen. Und es ging leichter.

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Wie ich so tapfer immer weiter paddelte, wurde mir ganz philosophisch zumute. Ich stellte fest, dass Stand-up-Paddling viel mit dem echten Leben zu tun hat:

1. Richte den Blick auf den Horizont: Behalte das große Ziel in Erinnerung

2. Reg dich nicht über die kleinen Wellen auf

3. Reite die großen Wellen, wie sie kommen und hab keine Angst vor ihnen

4. Bleib elastisch und flexibel

Meistens läuft es bei uns zum Glück in der Familie glatt und reibungslos und leicht.
Aber es gibt auch Momente, in denen ich anfange, mich zu verkrampfen und zu keiner klaren Entscheidung mehr fähig zu sein, weil alles überwältigend scheint. Weil es zu viele Variablen gibt oder zu viele sich widersprechende Interessen.
Oder kleine Wellen, über die ich mich sinnlos aufrege und aufgrund derer ich das Gleichgewicht verliere, obwohl es sich in Wirklichkeit um Pipifax handelt.

Mit zunehmender Übung als Elternteil gelingt es mir besser, die Balance zu halten, aber je weiter man sich vom Ufer entfernt, desto größer werden die Wellen auch…

Deswegen werde ich mir zur Erinnerung ein Bild von unserem Ausflug aufhängen, für das nächste Mal, wenn die Wellen hoch schlagen.

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