Zweimal und nie wieder, Kapitel eins

Foto (c) Stephen T. McCarthy (glaub ich)

Foto (c) Stephen T. McCarthy (glaub ich)

Okay.
Ich tu’s.
Es ist lustig. Es macht Spaß. Und es ist ein ziemlich fetter Schatten, über den ich damit springe.
Hier also auf mehrfachen Wunsch Kapitel Eins des „Romans“, den ich mit 14 geschrieben habe.
Fortsetzung gibt es nur, wenn mindestens zehn Leute danach schreien, sonst traut sich die kleine Julia, die das damals auf der treuen orangefarbenen Schreibmaschine getippt hat, nicht…
Meine Kommentare dazu schreib ich klein drunter, so dass sie jeder gepflegt ignorieren kann, der das will.

Also. Los geht’s.

 

Es war der 11. September.
Gaston Mercatier schloss die Tür seiner Villa und steckte den Schlüssel in die Jackentasche. Die Sonne strahlte vom Himmel, und leise vor sich hinpfeifend machte sich Mercatier auf den Weg zu seinem Juweliergeschäft. Er ahnte nicht, dass ihm ein junges Paar folgte: Julian Bonneau, 27 Jahre alt und der Polizei nicht ganz unbekannt, und seine Freundin Yvonne Alliot.
Endlich sprach Julian den Juwelier an: „Entschuldigen Sie, Monsieur, könnten Sie mir erklären, wie wir am besten zur Notre-Dame kommen?“
Er entfaltete umständlich einen Stadtplan und hielt ihn Mercatier hin. „Wissen Sie, wir sind erst seit gestern in Paris und kennen uns noch nicht so aus.“
Während Julian auf den Juwelier einredete, glitt Yvonnes Hand in Mercatiers Jackentasche und schloss sich um den Schlüssel. Genauso langsam, wie Yvonne ihre Hand in die Tasche geschoben hatte, zog sie sie wieder heraus und versenkte den Schlüssel in einer Plastiktüte zwischen zwei neuen Pullovern.
Julian wollte gerade zum dritten Mal feststellen, dass er den Weg immer noch nicht begriffen habe, als Yvonne ihn von hinten anstieß. Sie bedankte sich überschwänglich bei Gaston Mercatier, Julian faltete den Stadtplan wieder zusammen, und die beiden gingen Richtung Notre-Dame davon. Gaston Mercatier sah ihnen nachdenklich nach.
Der schnellste Schlüsselmacher der pariser Unterwelt war ohne Zweifel Philippe Albert. Er verlangte Wucherpreise, aber darauf konnten Julian und Yvonne jetzt nicht achten. Sie brauchten möglichst schnell einen guten Nachschlüssel zur Villa Gaston Mercatiers.
Längst hatten sie herausgefunden, dass Mercatiers Geschäftsschlüssel nachts an einem Haken in seinem Schlafzimmer hingen. Leichtsinnigerweise war dieser Haken direkt neben der Tür angebracht.
Philippe Albert war müde, wie immer. Er verlangte einen viel zu hohen Preis, wie immer. Das einzige, das nicht war wie immer, war, dass Julian sich heute nicht daran störte.
In der Nacht würden Yvonne und er den großen Coup landen. Diese Aussicht war zu verlockend. Da konnte man sich wirklich nicht über Alberts Müdigkeit aufregen.
Vier Stunden später schlenderten Julian und Yvonne die Avenue d’Iena entlang. Etwa 100m vor ihnen ging Gaston Mercatier.
Aus einem Hauseingang kam ein kleiner Junge. Er mochte vielleicht sechs oder sieben Jahre alt sein. Yvonne rief ihn an: „Hey, du! Pass mal auf. Siehst du den Herrn da vorne? Zu dem läufst du und gibst ihm diesen Schlüssel. Du sagst, er hätte ihn eben verloren, okay?“ Sie drückte dem Jungen ein 5-Francs-Stück in die Hand und den Schlüssel, den sie zuvor aus Mercatiers Jackentasche entwendet hatte. Der Kleine nickte: „Okay.“ Yvonne sah ihm nach, wie er hinter dem Juwelier herlief.
Julian kniff die Freundin fröhlich in die Seite. „Prima Ideen hast du“, sagte er, „das muss man dir lassen.“
„Tja.“ Yvonne grinste. „Wir arbeiten eben gut zusammen, nicht wahr?“
Julian drückte ihr einen knallenden Kuss auf die Stirn. Hand in Hand wanderten die beiden weiter.

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Außer der neuen Rechtschreibung hab ich nichts geändert, und ich muss sagen: Ich finde das sprachlich – bis auf ein paar Kleinigkeiten – ziemlich gut. Was mich grübeln lässt, ob ich die letzten 30 Jahre irgendwas dazu gelernt habe. Im Laufe der Geschichte wird hoffentlich klar, dass ich mich zumindest plottechnisch weiter entwickelt habe. 😉 Ach so, und es war tatsächlich der 11. September. Und merkt man, dass ich da die Film-Noir-Phase gepaart mit der Wolfgang-Ecke-Phase hatte?

2 Kommentare

  1. Oh ja – bitte mehr!!!

  2. Fortsetzung!!

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